Deutsche Ordnung und staatenloses Leben – Wie ich trotz Minimalismus alles dabeihabe

So könnte es auch laufen...

So könnte es auch laufen…

Bei digitalen Nomaden spielt das „digital“ auf die Arbeitsweise an, die mittels IT „nomadisch“ von überall ausgeführt werden kann. Aber wieso es bei der Arbeit belassen? Man kann heutzutage fast alles digitalisieren! Dabei muss man nicht einmal um die Welt reisen, um die Vorteile der modernen Technologien genießen zu können. Wer besitzt seit Google Earth noch einen Globus, wenn nicht gerade zu dekorativen Zwecken? Wer braucht heute noch ein allgemeines Lexikon im Bücherregal, wenn es doch Wikipedia gibt? Auch Kochbücher – völlig überflüssig! Da schwöre ich doch lieber auf Muttis Rezepte, die ich als Word-Datei auf meiner Festplatte habe.

Alles einscannen

Generell habe ich ja schon immer sehr viel weggeschmissen, aber manche Dinge sind praktisch, wenn man sie noch als digitale Kopie aufbewahrt. So habe ich alle meine Schul- und Studienzeugnisse und andere Zertifikate allesamt eingescannt und die Originale in einem Koffer bei einer Person meines Vertrauens eingelagert. Ansonsten alle Jahres-Lohnabrechnungen und diverses Sozialversicherungszeug aus Deutschland sowie alte Erinnerungsfotos. Alles eingescannt und die Originale eingelagert. Die Rente krieg ich zwar sowieso nicht mehr, aber ein digitales Backup mancher Dokumente kann ja nicht schaden. Denn Dokumente sollen ja dokumentieren. Außerdem habe ich auch die ein oder andere wichtige Kündigungsbestätigung eingescannt. Hier habe ich aber die Originale weggeworfen. Meistens braucht man die ja ohnehin nicht. Wenn doch, dann wird das Eingescannte reichen um sich selbst zu informieren. Oder auch um gegebenenfalls die Gegenseite zu überzeugen, indem man es mal eben schnell per E-Mail an den zum Beispiel weiterhin abbuchenden Versicherer sendet.

Alles digital einfordern

Ohnehin sollte heutzutage alles digital ablaufen. Die Policen der Krankenversicherung oder internationalen Haftpflicht habe ich ohnehin alle auch digital als PDF erhalten. Selbst diverse andere Post, die man von bestimmten Organisationen oder Vereinen erhält, kann man häufig auf Nachfrage auch per E-Mail bekommen. Manche begrüßen es sogar, ihre Post digital zu versenden, da dies Kosten einspart. Sollte ich dennoch einmal echte altertümliche Papierbriefe zugesendet bekommen – Liebesbriefe bei mir bitte auch per E-Mail 😉 – dann hilft mein Scan-Postfach aus.

Für alles vorbereitet sein

Nachdem ich mal in den USA gelebt habe und für das Visum allen möglichen Papierkram ausfüllen und dabei mein halbes Leben rekonstruieren musste, bin ich sogar so ein Freak geworden, dass ich selbst meine Wohnsitz- und Arbeitgeberwechsel alle genau mit Datum protokolliere. Auch scanne ich meine Abmeldebestätigungen für Wohnungen ein, vor allem die letzte, die zusammen mit der Bestätigung vom Finanzamt belegt, dass ich nicht

Endlich raus aus dem System!

Endlich raus aus dem System!

mehr in Deutschland lebe. Wenn nun wieder jemand von mir fordert, alle Adressen der letzten 10 Jahre abzuliefern, bin ich vorbereitet 🙂

Seitdem ich nun auch meine private internationale Krankenversicherung habe und bei der Anmeldung über meine Arztbesuche der letzten 5 Jahre Auskunft geben musste, scanne ich nun auch alle Arztberichte und Belege fleißig und nach Jahr sortiert ein. Wer weiß, für was das noch alles gut ist. Gescannt auf der Festplatte wiegen diese Dokumente ja nichts. Die Originale kommen natürlich in den Reißwolf. Sinnvoll ist es hier auch, den Impfausweis einzuscannen, um bei Verlust prüfen zu können, welche Impfungen ich wann bereits hatte. Dies kann auch in manchen Ländern Voraussetzung für die Einreise sein.

Alles in die Cloud

Wie ich in einem anderen Artikel bereits berichtete, habe ich meine gesamten Daten in der Cloud mehrfach redundant gesichert. Dies erlaubt mir auch von unterwegs auf alle meine Dokumente zuzugreifen. Alternativ zu meiner bevorzugten Cloud-Lösung Seafile bietet sich auch DropboxEvernote oder Ähnliches im begrenzten Maße hierfür an. Bin ich beispielsweise gerade unterwegs und möchte einen Flug buchen, aber der Rucksack liegt noch sicher im Hostel, ist dies kein Problem. Denn ich gehe einfach in die Cloud und lese die in der Online-Buchung geforderte Ausweisnummer einfach direkt von meinem eingescannten Reisepass ab. Beziehungsweise ich habe solche immer wieder wichtigen Daten sogar in einem Textdokument zentral abgelegt. Egal welche Informationen von mir verlangt werden, ein paar Klicks auf meinem Smartphone und ich kann alles Relevante beantworten.

Alles Vergessen vergessen

Ich brauche mir keine Sorgen zu machen, irgendwelche Dinge vergessen zu haben, weil ich alle notwendigen Informationen immer mit mir herumtrage. Ich treibe es sogar soweit, dass ich alle meine Gegenstände, die ich besitze, abfotografiere. Naja, so viele sind es ja bei mit nicht mehr. Falls aber einmal mein Rucksack verloren geht oder gestohlen wird, weiß ich wenigstens noch, was ich alles ersetzen muss. Auch für Leute, die noch fest irgendwo wohnen, mag es sich lohnen, zumindest den wertvollen Besitz abzufotografieren. Das hilft nicht nur zum Erinnern, sondern dient auch als gutes Beweismittel für die Hausratversicherung, die sich nach einem Brand oder Diebstahl vielleicht querstellt.

Wie hältst Du Ordnung? Kennst Du noch weitere Strategien wie man mit der verbliebenen Bürokratie als Nomade gut umgehen kann? Dann schreibe doch gerne einen Kommentar unter diesen Artikel!

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2 Antworten

  1. Izzy sagt:

    Netter Artikel, aber a) habe ich Versicherungen, die darauf bestehen, dass die Unterlagen NICHT per E-Mail gesendet werden können, gleiches gilt für Banken zumindest bei Eröffnung des Accounts, b) und was rätst Du, wenn man nicht zu den Perpetual Travelern gehört, die damit prahlen, alles nur in einem Rucksack zu haben, aber in Wirklichkeit im alten Kinderzimmer oder im Keller der Eltern kistenweise Sachen lagern? Denn das kommt für mich nicht infrage, ich möchte als erwachsener Mensch mein Hab und Gut selbst bei mir haben (oder eben nicht mehr besitzen), und zwar sicher.
    Sämtliche Lösungen, die immer wieder angepriesen werden, basieren auf der Hilfestellung von Dritten. Zudem habe ich nicht vor, nach Deutschland zurückzukehren, oder dass ich jemandem jahrzehntelang Platz klaue.

    • Dennis sagt:

      Hallo Izzy,

      danke für Deinen Kommentar. Für Post (auch von Banken und Versicherungen) benutze ich den Service von Dropscan. Sie sammeln nicht nur meine Post sondern scannen sie auch für mich ein, sodass ich weiterhin ortsunabhängig alle meine Dokumente digital habe und die Banken ihren altmodischen Weg gehen können.
      Für Leute mit viel Zeug rate ich, sich von Dingen zu trennen und Erinnerungsfotos zu digitalisieren: Siehe auch mein Minimalismus-Artikel
      Aber ja, wenn man sich von dem Zeug nicht trennen will, dann kann man nur unflexibel auf Weltreise gehen. Aber es gibt immer irgendwo ein Keller, den Freunde und Verwandte auch mal etwas länger zur Verfügung stellen können. Ansonsten gibt es noch kommerzielle Lagerdienstleister. Aber ja, man muss sich entscheiden zwischen viel materiellem Besitz und dauerhaften Reisen. Alternativ bietet sich auch eine Homebase irgendwo auf der Welt an, wo man seine eigenen Sachen lagert.

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