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Liberated Life

Warum 1% der Menschen mehr besitzen als 99%

Laut Oxfam besitzen 1% der Menschen mehr als 99% und 62 Individuen mehr als die Hälfte der Menschheit. Ist das normal?

Safe of the richest

Waaaas?

Diese Aussage könnte Dich erschrecken: Wir persönlich sehen kein Problem darin. Wir halten diese Verteilung sogar für natürlich und unvermeidbar, auch wenn sich die exakten Zahlen vielleicht etwas in die ein oder andere Richtung biegen lassen.


Es ist auch egal, ob es sich um ein liberales oder nichtliberales System handelt. Diese Verteilung hat sich in jedem System immer wieder herausgebildet. Warum wir es für unproblematisch halten und wieso uns diese Zahlen nicht erschrecken, erfährst Du in diesem Artikel.

Nur 62 Leute? Klingt erstmal krass!

Nehmen wir mal die aktuellste Oxfam-Studie als Datengrundlage. Und gehen wir mal davon aus, dass die Studie recht hat. Demnach haben die 62 reichsten Menschen genauso viel Besitz wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Und 1% der Weltbevölkerung besitzen so viel wie die restlichen 99%.


Das klingt erst einmal unglaublich, ist aber bei näherer Betrachtung gar nicht so verwunderlich. Denn es gibt ein paar Banalitäten, die das Ganze ziemlich schnell erklären.

Ein Großteil der Weltbevölkerung hat kaum etwas

Ein Großteil der Weltbevölkerung hat nichts oder fast nichts. Das ist ziemlich schlimm und sollte verbessert werden (dazu unten mehr)! Ob aber der Reichtum von Bill Gates damit im Zusammenhang steht, sei erst einmal dahingestellt.


Nun ist es jedoch so, dass selbst jeder deutsche HartzIV-Empfänger alleine mehr hat als Massen dieser Menschen zusammen. Denn selbst Millionen mal Null sind immer noch Null und Milliarden mal Null ebenfalls. ​


Selbst diejenigen, die nach westlichen Standards zwar auch noch wenig besitzen, machen diese Rechnung nicht fett, obwohl sie in ihrem Land vielleicht sehr gut leben können. Was uns zum zweiten Punkt führt:

Relative Armut

Ob jemand arm ist oder reich ist eine Frage der Messlatte. Wie schon oben erwähnt ist selbst der ärmste Deutsche immer noch wohlhabender als Massen an Menschen etwa in Afrika – und übrigens auch als jeder Adelige und Monarch vor 200 Jahren in Europa. Auch innerhalb Deutschlands können zum Beispiel 50.000 Euro auf der hohen Kante einen immensen Unterschied machen.


Große Teile der arbeitenden Bevölkerung, der es nicht unbedingt schlecht geht, lebt von der Hand in den Mund. Sie müssen ihr ganzes Einkommen direkt wieder ausgeben. Es gibt sogar gut verdienende Stars und Manager, die quasi von der Hand in den Mund leben, da sie immer alles verprassen, was sie verdienen. Demnach wäre der Sparer mit 50.000 Euro reicher als ein Großteil der arbeitenden Bevölkerung in Deutschland und der verprassenden Wohlhabenden.


Aber was sind schon 50.000 Euro? Eine Eigentumswohnung kann man sich davon in Deutschland kaum leisten, während es in vielen ärmeren Ländern Standard ist, in der eigenen Immobilie zu wohnen – sicherlich nicht nach deutschen Standards, aber auch nicht unbedingt schlecht. Übrigens verweisen auch in Deutschland die Armutsstatistiken immer nur auf eine relative Armut. So gilt jemand, der einen bestimmten, willkürlichen Prozentsatz unter dem Durchschnittseinkommen liegt, bereits als arm.


Dabei spielt es keine Rolle, ob er wie ein Armer in Afrika verhungert oder trotzdem einen Flatscreen hat und einmal im Jahr in den Urlaub fahren kann. Bitte nicht falsch verstehen! Es gibt auch in Deutschland und gerade in Deutschland sehr prekäre Lebensverhältnisse, aber mir geht es hier darum statistische Aussagen etwas kritischer zu betrachten.


Es ist einfach nicht schwer mehr zu haben als Leute, die nichts haben. Und natürlich ist ein Verdienst von 500 Euro in Afrika vielleicht sehr viel, aber in Deutschland kann man davon nicht überleben.

Natürliche Verteilungen

Viele werden es kennen: Das Pareto-Prinzip. Es besagt, dass etwa 80% des Ergebnisses mit nur 20% des gesamten Aufwands erreicht wird. Die restlichen 80% Aufwand werden damit verbracht, die restlichen 20% des Ergebnisses zu erzeugen.


Das Prinzip geht auf die Pareto-Verteilung zurück, die man in vielen Bereichen der Wirtschaft wiederfindet: Etwa 80% der Unternehmensumsätze werden von 20% der Produkte erzielt und werden auch von etwa 20% Stammkunden generiert. 80% der Bevölkerung lebt in Städten. 20% der Kunden sind für 80% der Anrufe, Reklamationen und Beschwerden verantwortlich.


Dabei ist der 80/20-Wert nicht starr zu verstehen. Es kann eben auch zu Werten wie 99/1 kommen. So erklärt sich, dass es ein paar super-erfolgreiche Menschen gibt, die sich eben krass von dem Mittelmaß abheben. So will auch fast jeder deutscher Junge Fußball-Star werden, aber nur 11 stehen letztlich für die Nationalmannschaft auf dem Platz. Und diese 11 verdienen dann eben auch Millionen und nicht nur Mindestlohn.


Dafür haben sie sich auch gegen Millionen durchgesetzt und begeistern Millionen.

Wie Fakten auf die Wahrnehmung wirken

Folgende Grafik zeigt faktische Zahlen. Ich glaube nicht einmal, dass hier etwas geschönt oder anderweitig manipuliert wurde:

Distribution of Money

Quelle: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/geht-es-bei-uns-gerecht-zu-wer-im-wohlstand-lebt-11908598.html

Aber wie wirkt das auf uns? Auch wieder auf den ersten Blick erschreckend! Dabei ist auch hier alles logisch nachvollziehbar. Wären alle Balken gleich lang, würde die Grafik keinen Sinn ergeben, denn dann wären alle gleich reich und man müsste hier nicht die Datenbasis in zehn Gruppen aufteilen.


Da man aber hier den Reichtum vergleicht, ist es auch ganz logisch, dass die reichste Gruppe den größten Balken hat. Und natürlich muss das zweit-reichste Zehntel in das reichste Zehntel reinpassen und das dritt-reichste wiederum in das zweit-reichste usw. Anderenfalls müssten sie ja ihre Plätze tauschen, was wieder in eine gleichartige Verteilung und somit ähnliche Grafik münden würde.


Das Einzige, was hier vielleicht erstaunen könnte ist, dass das reichste Zehntel so dermaßen heraussticht, dass das zweite so oft hineinpasst. Aber hier sehen wir eben die oben erwähnte natürliche Pareto-Verteilung in Aktion.

Reich auf Kosten der Armen?

Es ist sicherlich etwas dran an dem gängigen Narrativ, dass die Armen durch die Reichen ausgebeutet werden. Man muss sich nur mal unser korruptes Geldsystem ansehen, um zu merken, dass unsere Welt besser und gerechter sein könnte. Aber so platt würde ich diese Parole nicht unterschreiben, insbesondere weil diese auch häufig zusammen mit dem Ruf nach mehr Staat erklingt.


Dabei ist es gerade Korruption und Unfreiheit, die die Menschen in Armut hält. Es ist nicht so, dass Bill Gates reich ist, weil die Afrikaner arm sind. Genauso wenig sind manche Leute groß, weil andere klein sind oder manche schlau, weil andere dumm sind. Es ist ein Mythos, dass Reichtum immer auf Kosten anderer geht. Es gibt auch Win-Win-Situationen.


Überall wo freier Handel und freie Marktwirtschaft herrscht, sollten die meisten Geschäfte auch freiwillig zustande kommen. Aber diese kommen eben meistens nur freiwillig zustande, wenn beide Parteien sich aus der Kooperation einen Vorteil erhoffen, sich quasi als Gewinner betrachten.


Marktwirtschaft bedeutet also in den meisten Fällen Win-Win, während Eingriffe in die Wirtschaft immer auf Kosten von jemanden gehen – und sei es der Steuerzahler!

Reiche sind wichtig – Arme auch

Uns sollte bewusst sein, dass die Zivilisation nur vorankommt, wenn jeder verschiedene Aufgaben wahrnimmt. Es kann zum Beispiel nicht jeder den gleichen Beruf haben. 80 Millionen Bäcker würden Deutschland nicht voranbringen. Es muss zum Beispiel auch Forscher und Unternehmer geben, die neue Erkenntnisse und daraus wiederum Produkte hervorbringen. 


Wenn es aber zusätzlich auch keine überdurchschnittlich wohlhabenden Menschen gäbe, wer würde dann die ganzen teuren Innovationen kaufen? Hätte niemand durch seinen Kauf in das erste mega-teure und super-hässliche Funk-Telefon investiert, dann hätten wir heute noch keine Smartphones. ​


Mittlerweile haben selbst die ärmeren in der deutschen Bevölkerung Smartphones und auch in der Dritten Welt werden Mobiltelefone immer beliebter und bieten diesen Menschen neue und in diesem Ausmaß nie da gewesene Freiheiten. ​


Damit die Forscher und Unternehmer diese neuen Innovationen hervorbringen können, bedarf es in einer Gesellschaft auch unterdurchschnittlich verdienende Menschen, die mit ihrer Arbeit den ganzen Laden am Laufen erhalten, um auch denjenigen den Rücken freizuhalten, die neue Ideen voranbringen.


Wenn alle reich wären, wer würde dann noch das Brot backen bzw. würde durch die höheren Anreizkosten zum Arbeiten das Brot dann nicht auch so teuer werden, dass niemand mehr wirklich relativ reich wäre?

Die Schere zwischen Arm und Reich geht auseinander

Wir haben oben ja bereits angedeutet, dass es durchaus stimmen mag, dass das Pareto-Prinzip sehr extrem ausfällt, wenn es um die Wohlstandsverteilung geht. Aber schauen wir uns trotzdem einmal historisch an, wie es um die absolute Armut bestellt ist.


Die Menschen in den Entwicklungsländern kommen heute viel schneller aus der Armut als früher. Wo der Westen 200 Jahre Industriegeschichte hinter sich hat, vergehen heute etwa in Asien häufig nur 1 oder 2 Generationen bis sie in vielen Standards aufgeschlossen haben. Sicherlich sind Armut und Kinderarbeit bedauernswerte Zustände, aber es sei hier auch einmal bedacht, dass es hier ebenso auf die relative Perspektive ankommt.


Das große Bevölkerungswachstum in der armen Welt ist sogar schon als Wohlstandzuwachs zu werten, denn früher sind die Leute einfach gestorben. Heute gibt es zwar - wie früher auch - Kinderarbeit, dafür geht aber die Kindersterblichkeit zurück.


Auch wenn es in der Welt vielerorts grausam zugeht: Ein Kind, das Schuhe näht, ist immer noch besser dran, als ein Kind, das elendig verrecken muss!

Die Legende vom Manchester-Kapitalismus

Und an dieser Stelle möchte ich auch mit einem weiteren Mythos aufräumen: Die vom Kommunisten Engels in die Welt getragene Idee, dass der sogenannte Manchester-Kapitalismus in der Zeit der Industrialisierung die Menschen in die Verelendung führte. Damals gab es im vorwiegend durch die Landwirtschaft geprägten Europa aufgrund der Industriellen Revolution zur Bevölkerungsexplosion.


Die Menschen strömten damals vom Land in die Städte, sodass beispielsweise Manchester innerhalb von wenigen Jahren um Hunderttausende Einwohner gewachsen ist. Dem waren die Städte so schnell natürlich nicht gewachsen. ​


Warum sind die Leute freiwillig in das Elend der Städte gezogen? Weil es ihnen dort immer noch besser erging als auf dem Land, wo sie keine Arbeit mehr fanden. Aber schon nach kurzer Zeit, bevor die Gewerkschaften überhaupt großen Einfluss nahmen, ging es mit der Lebensqualität schon bergauf.


Ja, die Bauernkinder wurden erst einmal arm, da sie ihre Äcker natürlich nicht mit in die Stadt nehmen konnten. Doch selbst, wenn sie auf dem Land geblieben wären, wären sie sogar verhungert.


Was Europa schon vor 200 Jahren durchlaufen hat, durchlaufen die Entwicklungsländer in der globalisierten Welt nun im Eilverfahren.

Wie können wir helfen?

Wir sehen, es ist viel Propaganda im Umlauf. Aber wie können wir nun den armen Menschen helfen, dass sie noch viel schneller als sowieso schon durch diese Durststrecke kommen? Wie können wir helfen, dass sie, wenn schon nicht relativ, dann doch wenigstens absolut gesehen nicht mehr arm sind?


Eins ist klar: Genauso wenig, wie Bill Gates die ganze USA durchfüttern kann, können die reichen Länder auf Dauer auch nicht die armen Länder durchtragen ohne selbst erheblichen wirtschaftlichen Schaden zu nehmen. Außerdem wird eine so große Umverteilung auch nicht freiwillig von statten gehen und muss somit erzwungen werden, was moralisch dem Raub gleichkommt.


Außerdem ist es viel wichtiger, den Menschen nachhaltig zu helfen. Wir wollen ja, dass alle Menschen absolut reicher werden und nicht nur relativ, wenn wir alle Menschen absolut ärmer machen würden. Lasst uns die Leute ausbilden und uns für ihre politische Freiheit einsetzen. Lasst sie uns schützen vor (meist staatlicher) Korruption.


Es ist zum Beispiel nicht unbedingt immer hilfreich Altkleider zu spenden, da diese den Kleidermarkt in den Empfängerländern zerstören und so die Leute nur abhängiger von unseren Kleiderspenden macht. Viel mehr Sinn macht beispielsweise ein Mikro-Kredit (vielleicht über eine P2P-Kredit-Plattform im Internet) an einen kleinen Textil-Unternehmer. Sowas hilft mehr als Spendengelder nach dem Gießkannen-Prinzip. 1-zu-1, ohne großen institutionellen Apparat dazwischen!


Hinweis


Wir haben die empirischen Studien von Oxfam versucht ebenfalls sowohl mit rationalen als auch mit empirischen Argumenten etwas kritischer zu beleuchten.


Hast Du noch Ideen, wie man den gesamten Wohlstand der Menschheit erhöhen kann und dabei Individuen helfen kann, sich selbst zu helfen? Dann poste doch Deine Anregungen in den Kommentarbereich. Vielleicht wird dadurch ja jemand inspiriert zu helfen und Menschenleben verändert!

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