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Liberated Life

Geschäftsmodelle für Blogger von klein bis groß

Ein Blog ist kein Geschäftsmodell, sondern erstmal nur ein Marketingkanal. Dieser lässt sich jedoch gut verwenden, um verschiedene Monetarisierungswege zu nutzen. In diesem Beitrag stelle ich unterschiedliche Geschäftsmodelle für Blogs in unterschiedlichen Phasen vor, von ganz klein bis ganz groß.

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Christian Häfner (Gastautor)

Geschäftsmodelle für Blogger

Möglichkeiten, um online Geld zu verdienen gibt es viele. Die Herausforderung ist jedoch, dass jeder Blog irgendwo anfangen und dann wachsen muss. Wer z.B. rein auf Werbung als Einnahmequelle setzen will, der wird Jahre benötigen, um damit ein relevantes Gehalt verdienen zu können. Und so etwas wie “passives Einkommen” gibt es beim Bloggen nicht. Denn ein Blog muss aktiv aufgebaut und vermarktet werden. Bis das Geld automatisiert im Hintergrund verdient wird, dauert es Jahre!


Deshalb möchte ich verschiedene Wachstumsstufen aufzeigen, die ein aktiver Blog im Laufe seiner Lebenszeit durchläuft. Damit es greifbarer wird, gehe ich in diesem Artikel von einem Ziel-Gewinn von 2000€ pro Monat aus. Wie schnell jede Phase erreicht wird, hängt von der Aktivität des Bloggers ab. Das Ziel ist das, was viele unter passivem Einkommen verstehen. Je höher die Phase, desto passiver (automatisierter und mit weniger Kundenkontakt) kommt der Umsatz rein.

Phase 1: Blog aufbauen und Dienstleistungen anbieten


Aller Anfang ist schwer, das gilt auch für einen eigenen Blog. Im Fokus steht, den Blog zu erstellen, das Thema festzulegen und erste Artikel zu verfassen. Vielleicht sogar einen Redaktionsplan und noch ein Facebook und Instagram Profil anzulegen. Gerade wer neu im Bloggen ist, muss sich erstmal einfinden.


Aus eigener Erfahrung und nach mehreren Blogs in über 8 Jahren, kann ich zumindest schon mal Eines sagen: Bloggen erfordert Disziplin und sollte - sofern man damit Geld verdienen will - auch als Job (und nicht als Hobby) gesehen werden.


Geld verdienen ohne Traffic


In dieser Phase ist der Blog bereits online und sieht gut aus, hat aber noch keinen wirklichen Suchtraffic, auch wenn die ersten Artikel schon verfasst wurden. Da man hier noch lange nicht von “Reichweite” sprechen kann, muss also ein anderes Geschäftsmodell her, um auf die gewünschten 2000€ pro Monat zu kommen.


Meine Empfehlung: Dienstleistungen anbieten


Der Blog ist in dieser Phase eher als Visitenkarte zu verstehen. Aus den wenigen Besucher soll möglichst viel Geld pro Kunde verdient werden. Ein Kontaktformular und ein Hinweis “Arbeite mit mir” könnten reichen, um erste Kunden zu gewinnen. Den Umsatz machst du in dieser Phase mit Dienstleistungen. Traffic könntest du z.B. auch mit Hilfe von Werbung einkaufen.


Bei einem Stundensatz von 30€ könntest Du dein Ziel (wenn Du sonst keine Kosten hast) bereits mit 2 abrechenbaren Tagen pro Woche erreichen. Der Stundensatz hängt dabei stark von der Branche und der Erfahrung des Autors ab. Gerade, wer neu-selbstständig ist, sollte aber zwei Grundsätze beachten:


  1. Was nichts kostet, ist auch nichts!
  2. Günstiger werden ist einfacher als teurer zu werden!

Besonders hilfreich in dieser Phase ist, wenn das Blog Thema sehr spitz gewählt ist. Ein paar Beispiele könnten sein:


  • Pinterest Marketing für Food-Startups
  • Finanzielle Vorsorge für Selbstständige bis 35
  • Bildbearbeitung für Outdoor-Marken auf Instagram
  • SEO für Shopify Betreiber in Deutschland


Egal, welches Thema du wählst, je spezifischer sich ein potentieller Kunde angesprochen fühlt, desto höher ist die Chance auf erste Umsätze. Bei der Auswahl der Nische sollten außerdem zwei Dinge erfüllt sein: Expertise und Referenzen!


  1. Referenzen: Es ist ok, neu im Markt zu sein. Um den Eindruck schnell nach außen zu verlieren, könntest Du auch aktiv auf Menschen in Deinem Umfeld zugehen und die Dienstleistung sehr günstig oder umsonst anbieten. Im Gegenzug lässt Du Dir Bewertungen und Testimonials geben, die Du auf Deiner Website darstellst.
  2. Expertise: Du musst wissen, wovon Du redest. Wenn Du z.B. vegane Ernährungsberatung anbietest, aber selbst weder vegan bist, noch Ernährungsberater, dann wird es schwer authentisch zu sein. Ein Pinterest Berater ohne Pinterest Account ist ebenfalls nicht glaubwürdig. Es ist immer empfehlenswert, mit einer Nische zu starten, in der man sich auskennt.


Da Dienstleistungen sehr zeitaufwändig sind, ist Disziplin hier besonders wichtig. Nicht vergessen zu bloggen, sonst kommst Du gar nicht erst in Phase 2.

Phase 2: Dienstleistungen als Productized Service automatisieren

Dein Blog wächst. Du hast vielleicht schon die ersten 30 SEO Artikel online und Google schickt Dir vielleicht schon 100 neue Besucher am Tag? Glückwunsch!


Allerdings bedeutet das auch, dass Du die Anfragen bald nicht mehr alle bearbeiten kannst. Daher wird es Zeit für den ersten Schritt in Richtung Automatisierung.


Meine Empfehlung: Dienstleistungen standardisieren und in Pauschal-Paketen verkaufen


Aus den ersten Kunden aus Phase 1 hast Du gelernt, was Die Kunden brauchen. Manchmal ist es kein Wissen, sondern einfach nur eine Arbeitserleichterung. Umso besser. Denn je klarer und wiederholbarer der Job ist, desto eher ist er für einen sogenannten Productized Service geeignet.


Bei einem Productized Service bietest Du eine Dienstleistung als festes Paket zu einem festen Preis an. Statt pro Stunde zahlt der Kunde nun pro Leistung. Perfekt, um durch Optimierung der eigenen Handgriffe den Stundenlohn zu erhöhen.

Beispiele könnten sein:


  • Erstellung von 1 Pinterest Pin pro Tag
  • Erstellung eines Vorsorgeplans
  • 20 Bilder professionell bearbeiten pro Monat
  • 5 Blogtexte schreiben pro Monat


Die Leistungen sind eher als Produkte formuliert und können daher auch mit einem konkreten Preis versehen werden. Der Betreuungsaufwand pro Kunde verringert sich.

Phase 3: Aus Dienstleistungen werden Produkte

Da Du weiterhin fleißig gebloggt hast und 1-2 Jahre seit dem Start vergangen sind, besuchen deinen Blog vielleicht schon 500 bis 1000 tägliche Besucher, die sich über “Dein Thema” informieren.


Es wird Zeit, vom Dasein als Dienstleister Abschied zu nehmen und auf ein “low touch”-Kundenmodell umzusteigen. Direktkontakt mit einzelnen Kunden kann zwar auch etwas Schönes sein, ist aber für das Ziel “passives Einkommen” nicht hilfreich.


Meine Empfehlung: Produkte verkaufen


Produkte haben die Eigenschaft, dass sie jemand einfach online über den Blog oder Shop kaufen und konsumieren kann, ohne dass du selbst eine Dienstleistung erbringen musst. Der Nachteil: So ein Produkt erstellt sich nicht von selbst. Welche Art von Produkten Sinn machen, hängt stark von der Branche und “Deinem Thema” ab. Hier sind ein paar Beispiele:


  • Online Kurs für Instagram Follower Aufbau
  • E-Book/Buch mit 101 veganen Rezepten für Neu-Veganer
  • Software: Eine App, mit der man seine Vorsorgeaktivitäten erfasst
  • Lightroom Presets für coole Bild-Effekte


Der Umsatz pro Produkt und Kunde wird deutlich geringer sein, als in den vorherigen Phasen. Daher musst Du mehr verkaufen! Ein Kurs/Produkt für 60€ muss 33 Mal verkauft werden, um auf 2000€  zu kommen. Das entspricht etwa einem Verkauf pro Tag. 


Bei 500 relevanten Besuchern am Tag könnte das schon gut klappen. Je nach Qualität der Beiträge, Referenzen und Gesamterscheinung vielleicht auch schon deutlich früher.


Eine weitere Alternative könnte auch sein, die vorherigen Productized Services einfach auszulagern und die Arbeit machen zu lassen. Das Ganze sollte dann allerdings so automatisiert laufen, dass Dein Aufwand gegen Null geht.


Falls Du z.B. im Food-Bereich bloggst, warum nicht eigene Food-Produkte auf den Markt bringen? Eine Gewürzmischung z.B. oder etwas anderes.


In dieser Phase beginnt Dein Blog eine relevante Reichweite zu bekommen. Am Ende der Phase solltest Du Vollzeit-Blogger werden!

Phase 4: Statt eigene Produkte, fremde Produkte verkaufen (Affiliate)


Dein Blog hat irgendwas zwischen 1000 und 5000 täglichen Besuchern, denen Du mit Deinen Inhalten hilfst, etwas Orientierung rund um das Thema zu bekommen. Dein Blog ist zu einer festen Anlaufstelle für Deine Leser geworden, die sich gerne auch Produktempfehlungen bei Dir abholen.


In dieser Phase kommst Du dem passiven Einkommen schon deutlich näher, denn Du kannst Dir den Aufwand sparen, eigene Produkte zu erstellen und zu pflegen, und stattdessen lieber die Produkte anderer empfehlen und dafür eine Provision erhalten. In den meisten Fällen wird das auf klassisches Affiliate Marketing hinauslaufen, wo Du für eine erfolgreiche Vermittlung eines Produktes eine Provision erhältst.


Meine Empfehlung: Wenige gute Affiliate Partner aufbauen


Affiliate Marketing funktioniert dann gut, wenn der Blog in der Lage ist, viele Klicks zum Partner zu erzeugen und der Partner die Produkte gut verkaufen kann. Zum beliebtesten Affiliate Partnerprogramm für Verbrauchsprodukte (z.B. Haushalt, Lebensmittel) gehört Amazon Partnernet. Wie gut sich damit verdienen lässt, zeigt diese Case Study.


Je nach Produkten, Qualität des Contents und Optimierung lässt sich aber sagen, dass rund 100.000 - 200.000 monatliche Leser erforderlich sind, um ein Einkommen allein als Amazon Affiliate zu verdienen.


Schneller könnte es mit spezielleren Produkten außerhalb von Amazon gehen, bei denen das Produkt einen hohen Lifetime Value hat. Häufig sind das z.B. Software Produkte, wo Zahlungen zwischen 30 und 100 Dollar pro erfolgreicher Vermittlung üblich sind. Ähnlich gute Provisionen gibt es in der Finanzbranche (Bankkonten, Versicherungen). Noch mehr gibt es im Gambling Bereich.

Phase 5: Alles an einen Vermarkter auslagern

In der Phase kannst Du Dich zurücklehnen und Dich (wieder) nur um das Schreiben kümmern. Dein Blog ist groß genug, um einen Vermarkter zu gewinnen, der wiederum Werbekunden für Dich gewinnt.


Ein Vermarkter hat den Vorteil, dass die komplette Vermarktung von Werbeplätzen ausgelagert ist. Keine mühseligen Verhandlung, keine Werbe-Leerläufe! Zwar verlangt er dafür einen nicht unerheblichen Anteil deiner Umsätze, allerdings hat er auch das Kundennetzwerk und den Vertrauensvorsprung, um hohe tausender Kontaktpreise (TKP) zu verkaufen.


Auch diese Preise hängen natürlich stark von der Branche ab, aber ein Takeover der Website (Werbung übernimmt die komplette Seite) kann schon mal über 100€ für 1000 Einblendungen generieren (von dem der Vermarkter seinen Share bekommt).

Bekannte Vermarkter für High-Traffic Blog sind z.B:



Wenn das mit dem Geld verdienen auf dem Blog gut funktioniert, könntest Du an der Stelle auch ein kleines Redaktionsteam aufbauen und Dich selbst sogar aus dem Schreiben zurückziehen, falls das Dein Ziel ist. Passiver kann es mit einem Blog danach allerdings wirklich nicht mehr werden.


Meine Empfehlung: Ein Mischmodell aus Online Geschäftsmodellen


Die beschriebenen Phasen sind keinesfalls exklusiv. Man steigt zwar mit mehr Traffic immer in eine neue Phase auf und hat damit neue Möglichkeiten. Es muss aber nicht so sein, dass die bereits funktionierenden Modelle abgeschaltet werden.


Auch macht es Sinn nicht immer nur auf ein Modell zu setzen, um das Risiko zu streuen, sollte z.B. Amazon das Partnerprogramm auf einmal beenden. Und warum nicht einfach den Kurs weiterhin verkaufen und trotzdem anfangen mit weiteren Kursempfehlungen Affiliate Provisionen zu verdienen?


In der Praxis es ist meistens genau so. Ein Blog verkauft irgendwann eigene Produkte, empfiehlt andere und verkauft vielleicht trotzdem Werbeflächen über Google AdSense. Die Summe aus mehreren Geschäftsmodellen ist am Ende das, was langfristig ein stabiles Einkommen erzeugt.

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