Steuerwahn Deutschland – Idee für ein simples Steuerrecht

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9 Antworten

  1. Florian sagt:

    Von einer Konsumsteuer, die alle anderen Steuern ersetzen könnte habe ich zuerst im Buch „Einkommen für alle“ vom Götz Werner gelesen. Leuchtet eigtl. sofort ein, wenn man sich überlegt, daß fast alle anderen Steuern letztlich sowieso in den Preis von Produkten einfließen.

    • Dennis sagt:

      Hallo Florian. Danke für den Hinweis. Götz Werner gehörte auch zu meinen Quellen. Allerdings bin ich ein strikter Gegner des BGE, obgleich ich dieses als vorläufigen Ersatz für den überbürokratischen Wohlfahrtsstaat begrüßen würde. Eine Konsumsteuer ist übrigens auch die einzige Art von Steuer, die ich derzeit zahle.

      • Florian sagt:

        Konsumsteuer ist ja erstmal losgelöst vom BGE.

        Daß du libertär unterwegs bist, habe ich schon gesehen. Ich dachte das wäre ein rein US-Amerikanisches Phänomen und kommt von einer Überdosis Ayn Rand 😉

        Darf ich dich fragen, was du von dem Kurs Justice hältst, insbesondere Vorlesungen 5ff
        http://justiceharvard.org/

        • Dennis sagt:

          Ja, das BGE hat erst einmal nichts mit der Konsumsteuer zu tun, das ist richtig 🙂 Aber es war so ein libertärer Reflex mich unbedingt davon distanzieren zu müssen ;-P Ayn Rand habe ich ehrlich gesagt noch nicht selbst gelesen. Einiges, was ich von ihr aus zweiter Hand gehört habe, finde ich gut. Allerdings bezweifle ich ganz stark, dass ich mit ihr mitgehen würde, sobald es zur Epistemologie oder auch Ethik kommt.
          Zum Justice Kurs kann ich nichts sagen. Ich werde darauf zurückkommen, wenn ich ihn mir angehört habe.

        • Dennis sagt:

          Soo… ich habe mir mal ein paar Vorlesungen reingezogen. Ich bin sicherlich nicht der typische Libertäre – auch wenn es bei mir auf die Ökonomie bezogen auf das selbe rauskommt.
          In meinem Weltbild hat der Staat nicht das Mandat für eine Umverteilung. Das ist mein Hauptargument, dass ich gegen Soziale Marktwirtschaft, Wohlfahrtsstaat, Sozialismus und letztlich auch Kommunismus anbringen würde. Zumindest gegen letztere könnte ich auch noch das pragmatische Argument bringen, dass es scheitern würde, da Ressourcen ineffizient eingesetzt und somit auch Anreize falsch gesetzt werden und gegen erstere, dass sie langsam aber sicher immer in letztere münden werden.
          Die Frage, wer mich besitzt, finde ich sehr spannend. Einfach zu sagen, dass ich mich selbst besitze und ein Anrecht auf meinen Körper und meine Arbeit habe, ist zwar intuitiv nahe liegend, aber meiner Gedanken nach nicht zwingend. Von daher überzeugen mich hier die klassischen libertären Argumente nicht. Als Christ gehe ich zwar erkenntnistheoretisch immer von Gott aus, von daher ist Lockes Ableitung gewisser Rechte von Gott für mich natürlich auf den ersten Blick sehr sympathisch, allerdings teile ich auch hier mancherlei theologische Voraussetzungen nicht. Ich erkenne beispielsweise kein Naturrecht an, wohl aber eine ganze Reihe moralischer Imperative, was in der Praxis dann häufig doch wieder auf’s selbe Ergebnis hinausläuft.

          Ich finde es gut, wie der Dozent versucht, den Studenten die Begründungslinien verschiedener Philosophien aufzuzeigen. Ich bin davon überzeugt, dass es immer sehr entscheidend ist, die Voraussetzung verschiedener Standpunkte zu untersuchen. Sonst redet man immer aneinander vorbei. Sonst denken die sozial engagierten Menschen, dass Libertäre kein Herz haben, während stark eigenverantwortliche Menschen immer Angst haben, dass die Sozialisten sie bestehlen wollen. Hier ist es wichtig immer die Motivationen zu sehen und weltanschauliche/politische Präsuppositionen herauszuarbeiten.

          Was bringt mir die Ehre, dass Du um meine Meinung zu dem Kurs fragst?

          • Florian sagt:

            Oh, wow, das ging schnell.

            Der Schwachpunkt und gleichzeitig der Vorteil der genannten Vorlesung ist, daß alle zu Wort kommen und niemand „gewinnt“. Man kann also danach so schlau wie vorher sein, oder genauso gut seine Standpunkte anzweifeln.

            Wir mussten den Kurs mehrmals pausieren, weil meine US-amerikanische Frau die libertären Sichtweisen net ausgehalten hat. Ich bin nicht ganz so polarisiert, aber ich muss ihr schon zustimmen, daß es keinen guten Grund dafür gibt unbedingt den Besitz als Grundrecht festzuschreiben.

            Life, Liberty and the Pursuit of Happiness klingt für mich 100 Mal besser als Life, Liberty and Property. Außerdem geht es mir darum in was für einer Welt ich leben will. Und das ist eine Welt, in der jeder genug hat und das geht per Umverteilung an die, die zu wenig haben. Das mag keine große Wissenschaft sein und beruht auf keinem Gott, aber das ist meine Weltsicht.

            Es gab keine tiefgründigen Motive das hier zu posten. Ich wollte nur n bissl forschen was du so dazu sagst. Vielleicht war’s auch n bissl mein anti-libertärer Beissreflex 😉

            Ich will dich auch net überzeugen. Es ist für mich bemerkenswert nem Libertären aus Deutschland über den Weg zu laufen. Ich kannte diese Position vor meinem tiefen Kontakt mit den USA gar nicht.

          • Dennis sagt:

            Die meisten Libertären, die ich kennen gelernt haben, sind ja nicht anti-sozial. Ich habe noch keinen getroffen, der Bedürftige verhungern lassen würde. Jeder darf ja gerne spenden und privat umverteilen. Bei privaten Spenden gibt es den Vorteil, dass es effizienter von statten geht und dass Sozialschmarotzer nichts bekommen. Es ist ja auch klar: In meinem privaten Umfeld kann ich viel besser einschätzen, wer wirklich bedürftig ist und ich kann auch viel gezieltere Hilfestellungen geben, als dies ein Staat machen kann, der überbürokratisiert ist, da er es jedem Recht zu machen hat. Einen Libertären mit viel Augenmaß und wenig Ideologie, den ich empfehlen kann, ist Michel von Tell von SteuerXL: https://www.youtube.com/playlist?list=PL6b4RUn6WV4pfn1lbVOuhbHKzL5XHU6Y0
            Ein Problem bei einer staatlichen Umverteilung ist außerdem, dass zumindest in einer Demokratie, dieses System immer dazu tendieren wird, seine Leistungen (Wahlversprechen) auf Kosten der Produktiven auszuweiten. Dies führt letztlich immer in den Kollaps und somit ins Chaos, womit dann niemanden geholfen ist. Siehe unser absurdes Geldsystem: https://de.liberated.blog/blog/aufklaerung-bankenkartell/
            Im deutschen Raum gibt es eine stark wachsende libertäre Szene. Vielleicht auch, weil die großen libertären Denker wie Ludwig von Mises und Friedrich Hayek (die Begründer der sogenannten Österreichischen Schule der Nationalökonomie) auf Deutsch geschrieben haben. Aber Amerika ist hier natürlich noch mal eine ganz andere Nummer.
            Vielleicht trifft man sich ja mal irgendwo auf der Weltreise. Dann können wir das bei einem Bier genauer diskutieren 😉
            Aber wie gesagt, was heißt schon „libertär“? Ich bin sicher wirtschaftslibertär eingestellt, gehe aber nicht mit allen typisch libertären Argumentationsmuster mit.

  2. Florian sagt:

    Für mich gibt es keine „Sozialschmarotzer“. Das ist ungefähr so ein Neusprech-Unwort wie „lebensunwertes Leben“.

    Nicht produktiv sein zu wollen ist vollkommen legitim. Da bin ich ganz bei David Graeber mit seinem „Debt – the first 5000 years“.

    Auch was der schon angesprochene Götz Werner dazu sagt leuchtet mir ein. Kein Unternehmer will jemanden beschäftigen, der gar nicht arbeiten will.

    Ich will aber nicht, daß Menschen, die aus dem System fallen verhungern müssen oder auf optionale und womöglich fallbasierte Spenden angewiesen sein müssen.

    Klar, eine progressive Besteuerung ist ein Balanceakt. Man will Anreize setzen um produktiv zu sein. Andererseits muss genug Geld zur Umverteilung da sein und die Progression muss stark genug sein um einen produktiven Unternehmer nicht gleich in einen für das Gemeinwohl nutzlosen Rentier zu verwandeln.

    • Dennis sagt:

      Nicht, dass wir uns falsch verstehen: „Lebensunwertes Leben“ wird missbraucht, um Mord (Verbrechen) zu rechtfertigen. Der Begriff „Sozialschmarotzer“ hat aber genau eine andere Stoßrichtung. Er soll Raub (ebenfalls Verbrechen) anprangern. Also wie definiere ich „Sozialschmarotzer“: Jemand, der aus keiner Not (Unproduktivität zähle ich auch zur Not), bewusst nicht sein Auskommen erwirtschaften möchte, dann aber einfordert, dass andere Leute für sein Auskommen ausgeraubt (Staatsgewalt) werden.
      Dass jemand verhungert oder erfriert, möchte ich auch nicht. Dafür setze ich mich auch ein. Ich bin auch zuversichtlich, dass dies in Ländern, die so reich sind, dass ihre Wirtschaft zeitweilig einen Sozialstaat ertragen kann, auch ohne diesen nicht passieren muss.
      Zu Götz Werner: Sicherlich ist es suboptimal einen unwilligen Arbeiter zu beschäftigen. Es ist aber immer noch besser als gar keinen zu beschäftigen. Solange der Arbeiter produktiv genug ist, werden sich auch Unternehmer finden, die in selbst bei geringer Arbeitsmoral immer noch bereitwillig einstellen. Was Werner sagt, stimmt sicherlich ab einer gewissen Stufe, aber pauschal würde ich das, wie eben ausgeführt, nicht unterschreiben.

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