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Liberated Life

Diebstahl, Computerviren, Krieg? – Vorsorge für Paranoide

Nenne uns ängstlich oder paranoid. Doch wir glauben uns gegen alle Gefahren für unseren wenigen, noch verbliebenen Besitz gewappnet zu haben. Wie, erfährst Du hier.

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Safety net around a backpack connected to a heater

Niemand klaut diese Tasche!

Wie wir in einem anderen Artikel schon geschildert haben, fordern unsere Besitztümer durchaus einiges von uns. Daher ist ein minimalistischer Lebensstil oft befreiter und einfacher. Die extreme Form des Minimalismus, wie wir sie betreiben, wenn wir nur mit Handgepäck durch die gesamte Welt reisen, bringt aber auch neue Probleme und Sorgen mit sich:


Klar, wenn ich in Deutschland ein Haus vollgestopft mit Zeug habe, kann es auch passieren, dass eines Tages die Bude abfackelt. Und dann ist mein ganzer Besitz von dem einen auf den anderen Moment verloren. Aber es ist wesentlich wahrscheinlicher, dass ich auf meinen Reisen ausgeraubt oder durch Trickdiebe bestohlen werde.


Auch wenn mir trotz Besuchen in Favelas und anderen armen Gegenden – am Tag und bei Nacht – noch nie etwas gestohlen wurde (mir wurde nur einmal das Auto im eigentlich sicheren Holland aufgebrochen), so besteht die Gefahr dennoch. Ein unaufmerksamer Moment, ein kurzes Nickerchen im Bus und schon ist der gesamte Besitz auf einmal weg.


In meinem Fall sorgt der Minimalismus zwar für ein viel flexibleres und ruhigeres Leben, aber auf der anderen Seite konzentrieren sich alle verbliebenen Bedenken und Sorgen auf eine kleine Tasche auf meinen Schultern. Wie kann ich mich für die schlimmsten Szenarien vorbereiten, um dennoch entspannen zu können? Im Folgenden gebe ich exklusiven Einblick in meine Sicherheitsmaßnahmen.

Level 1: Schloss und Gitter

Zu Hause schließen wir alle unsere Türen ab. Da die Entsprechung zu meinem Haus ein 45 Liter Handgepäcks-Rucksack ist, schließe ich auch diesen ab. Ich besitze einen Pacsafe Venturesafe 45, welcher zum einen abschließbar ist und zum anderen ein in den Stoff integriertes Sicherheitsnetz hat. Somit kann selbst ein Trickdieb auf der Straße mit einem Messer nichts aus meinem Rucksack entwenden.


Zudem kommt der Rucksack mit einem Drahtseil, sodass ich ihn überall anschließen kann. Dies ist praktisch, wenn ich mal kurz auf Toilette muss und den Rucksack nicht mitschleppen möchte. Oder im Bus oder am Flughafen, wenn ich ein Nickerchen machen möchte. Dann binde ich ihn einfach an mir oder an einer befestigten Bank fest und kann sorglos schlafen. Wenn ich mich mal in einem nicht vertrauenswürdigen Hotel befinde, dann habe ich zusätzlich noch ein Außengitter, in das ich den Rucksack verschließen kann.


So kann ich mit einem Extra-Schutz meinen Rucksack auch gerne für mehrere Stunden beruhigt in der besagten Örtlichkeit liegen lassen und ohne schweres Gepäck die Gegend erkunden. Mit meinem unauffälligen Regenschutz für den Rucksack zum Überziehen, kann ich dann mein Hab und Gut sogar noch so unauffällig gestalten, dass ich den Rucksack selbst am Strand an einer Palme anschließen kann.


Während potentielle Diebe meine Wertgegenstände vermutlich für ein Stück angespülten Dreck halten, kann ich in Ruhe schwimmen gehen. Sowohl für das Rucksack-Schloss als auch für das Außengitter verwende ich Zahlenschlösser, sodass ich nicht einmal einen Schlüssel mit ins Wasser nehmen muss. Dies ist meine erste Verteidigungslinie gegen harmlose Diebe.

Level 2: Gürtel mit Geheimfach

Was ist aber, wenn ich Opfer eines bewaffneten Überfalls werde? Dann muss ich schließlich mein Hab und Gut hergeben. Generell sollte man deswegen ja nicht zu viel Bargeld mit sich rumschleppen. Ein wenig Bargeld sollte man aber dennoch immer mit dabeihaben. Sei es nur für den Einkauf eines Snacks beim Straßenkiosk. Oder sei es im Ernstfall, um mögliche Räuber während eines Überfalls schnell befriedigen zu können und somit das eigene Leben zu schützen.


Was ist aber, wenn der Dieb gleich den ganzen Rucksack haben möchte und somit all mein Bargeld, Bankkarten und Ausweise? Für diese Fälle habe ich einen Gürtel mit einem Geheimfach. Darin bewahre ich eine Kopie meines Reisepasses auf sowie einen gewissen Devisenvorrat in Euro, Dollar und Renminbi. Das sollte im Notfall genügen, um Hotels und Flüge zu buchen, Banken zu kontaktieren und eventuell die nächste deutsche Botschaft zu erreichen.


Der Gürtel ist zudem aus Plastik, wodurch ich ihn am Flughafen auch nicht ständig ausziehen muss. Und zu mindestens als Mann ist es unwahrscheinlich, dass ein Krimineller verlangt, dass ich meine Hose ausziehe. Der Gürtel ist meine Notfallversicherung und somit die zweite Stufe meiner Sicherheitsstrategie.

Level 3: Verschlüsselung

Hat der Dieb erstmal meinen Rucksack gestohlen, hat er auch Zugriff auf meine digitalen Güter. Deshalb habe ich sowohl mein Handy als auch meinen Laptop verschlüsselt. Dies sollte jeden Straßenräuber davon abhalten, an meine Daten zu kommen. Ich benutze hierfür die bei modernen Android-Geräten mitgelieferte Verschlüsselung für das Smartphone und Bitlocker von Windows für den Laptop.


Für Apple-Geräte sollte es ähnliche hausgemachte Lösungen geben. Ansonsten einfach mal nach TrueCrypt oder ähnlichen frei verfügbaren Lösungen googlen. Klar, wenn die NSA meine Geräte in die Finger bekommt, dann ist das wahrscheinlich auch nicht mehr sicher. Aber wenn die NSA mich überfällt, dann habe ich schon ganz andere Probleme.


Soweit zum dritten Sicherheitslevel. Du solltest außerdem auch alles verschlüsseln, was Du in die Cloud hochlädst.

Level 4: Die Cloud

Natürlich will ich nicht nur, dass der Dieb keinen Zugriff auf meine Daten hat, sondern ich möchte auch auf meine Daten selbst nach Verlust eines Gerätes weiterhin Zugriff behalten. Oder auch wenn unschöne Umstände meinen Datenträger beschädigen oder ein Computervirus meine ganze Festplatte löscht, darf dies keine Gefahr für meine Daten darstellen. Immerhin sind diese mein Arbeitswerkzeug und Kapital.


Geräte sind ersetzbar, Daten meist nicht. Von daher erstelle ich ein Backup aller meiner Daten und sende es in die Cloud. Hierbei gibt es natürlich viele mehr oder weniger preiswerte, manchmal auch kostenlose, Anbieter. Ich nutze hier aber einen eigenen Server mit Seafile als Software-Grundlage. Seafile hat den Vorteil, dass veränderte Daten sofort bei bestehender Internetverbindung mit der Cloud synchronisiert werden.


Aber selbst wenn Du keine Ahnung davon hast, wie man einen eigenen Server verwaltet, so gibt es auch Seafile Speicher-Anbieter wie Sand am Meer. Wenn Du aber einen eigenen Server benutzt und es einigermaßen geschickt anstellst, dann kannst Du Dir wenigstens sicher sein, dass niemand anderes auf Deine Daten zugreift.


Du bist dann außerdem nicht abhängig von Google Drive, iCloud, Dropbox und Konsorten. Ein Backup sollte sowieso jeder haben. Bei mir ist dies der vierte Punkt in meinem Vorsorge-Plan.

Level 5: Das Netzwerk

Paranoid wie ich bin, vertraue ich aber selbst den besten Server-Hostern nicht, wenn es um die Sicherheit meiner Daten geht. Und wie meine persönlichen Erfahrungen zeigen, bin ich das nicht ganz zu Unrecht. Denn es kommt immer wieder einmal zu Problemen. Ob aus Gründen der eigenen Dummheit oder weil andere nicht vorsichtig genug waren, das ist im Totalausfall dann schnell das geringste Problem. So habe ich noch eine allerletzte, fünfte Sicherheitsvorkehrung getroffen.


Diese Vorkehrung ist dafür aber unendlich skalierbar. Ich habe mir ein Netzwerk von Rechnern aufgebaut, die ebenfalls mit meiner Cloud synchronisiert werden und somit als örtlich verteilte Backups fungieren. So sind, selbst bei einem Ausfall meines Laptops und des Servers zur selben Zeit, die Daten nicht endgültig verloren, sondern auf den Backups der verschiedenen Rechner doppelt und dreifach gesichert.


Nach einem Mythos beruhte selbst die Idee des Internets darauf, im Falle eines Atomkriegs die Kommunikation aufrecht halten zu können. Es ist zwar fraglich, ob ich nach einem Atomkrieg noch lebe oder ob das europäische Internet nach gezielten Angriffen oder Terroranschlägen auf große Internetknoten wie der DE-CIX in meiner Heimatstadt Frankfurt noch so gut funktionieren würde. Dennoch ist es gut, meine Backups örtlich verteilt zu haben. Und zu mindestens ein kleiner, örtlich begrenzter Krieg, sollte meinen Daten nichts anhaben können.


So habe ich beispielsweise ein simples, günstiges Netbook gebraucht gekauft und die nötigsten Programme darauf installiert (z.B. Seafile für die Synchronisation mit der Cloud und TeamViewer für den Fernzugriff). Ich habe es so konfiguriert, dass es niemals runterfährt. Und selbst bei einem Stromausfall, kann es eine ganze Weile mit seinem Akku weiterlaufen. Zusätzlich habe ich noch eine externe Festplatte angeschlossen, dass wöchentlich ein volles Backup der Daten macht.


Auf diese Weise können selbst im ganzen Cloud-System versehentlich gelöschte Daten noch gerettet werden. Natürlich habe ich auch diese Geräte alle verschlüsselt und an einen sicheren und mit Internet ausgestatteten Ort untergebracht. Diese Vorgehensweise kann ich beliebig oft wiederholen und somit mein Netzwerk von Backup-Rechnern ausweiten.

Fazit

Mit dieser Strategie sind meine Daten geschützt und mein materielles Eigentum sehr gut gegen Entwendung abgesichert. Sollte ich doch einmal ausgeraubt werden, so besteht nur ein finanzieller Schaden, der sich jedoch aufgrund meiner wenigen Sachen im Rahmen hält.


Für den schlimmsten Fall habe ich hierfür ein kleines Finanzpolster und wäre vielleicht für eine Woche außer Gefecht gesetzt. Internationale Diebstahlversicherungen sind allesamt zu teuer und lohnen sich nicht, wenn man einigermaßen vorsichtig durch die Welt reist.


Haben wir noch Gefahren vergessen oder hast Du auch noch weitere Lösungen parat? Dann schreibe sie doch bitte unten in die Kommentare! Oder vielleicht meinst Du ja auch, dass wir übertrieben paranoid sind? Dann teile Deine Meinung auch gerne mit uns :-)

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